Geschichten, die einem zwischendurch immer wieder mal einfallen (1)

Hallo in die Runde!!!

Da ich festgestellt habe, dass ich das Aufschreiben des kontinuierlichen Ablaufs aus zeitlichen Gründen einfach nicht hinbekomme, werde ich nun doch Zwischendurch einfach Geschichten erzählen, die mir wieder einfallen, damit dieser Blog am Leben bleiben kann. Über Facebook mache ich das auch und ich würde mich freuen, wenn Ihr mich dort einmal besucht ➟ Teufelchens-Welt-das-Dravet-Syndrom

Mir fiel gerade mal wieder eine Geschichte von früher ein, die mir wirklich zu denken gab. Naja und danach gleich noch eine. Sie handeln beide von Intoleranz und Vorurteilen.

Lu war zu dem Zeitpunkt ungefähr 4 1/2 Jahre alt. Ich war mit Lu zu Fuß unterwegs und hatte für den Fall, dass er irgendwie überanstrengt sein könnte, den Kinderwagen mitgenommen. Überanstrengung bedeutet bei Dravet-Kindern meistens einen oder mehrere Anfälle. Daher ist man als Eltern eines Dravet-Kindes immer darauf bedacht, an alles zu denken, was das Leben hilfreicher macht.

Lu war nach einer halben Stunde Marsch kaputt und ich ließ ihn sich in den Kinderwagen setzen. Als wir so dahin spazierten, kam uns eine Mutter mit ihrem Kind auf dem Fahrrad entgegen. Das Kind fragte die Mutter, warum denn wohl der Junge noch im Kinderwagen geschoben werden würde. Die Mutter antwortete daraufhin, dass der Junge wohl sehr faul sei.

Daraufhin (die waren mit ihren Fahrrädern sehr schnell an uns vorbei) schrie ich hinterher: „Oder der Junge hat einfach ein anderes Problem!“ Die Mutter schaute ziemlich irritiert zurück. Ich konnte nur hoffen, dass sie ihrer Tochter noch versucht hat zu erklären, dass sie sich geirrt haben könnte.

Was ich damit sagen will: Es gibt oft einfach Vorurteile…es wird nicht hinterfragt oder mit einer anderen Antwort gerechnet. Den Kindern wird es oft schon so vorgelebt. Das finde ich sehr schade.

Noch ein anderes Beispiel: Lu war in einem Integrationskindergarten und hatte dort viele Freunde, die auch mit seiner Epilepsie umgehen konnten. So hatte jeder von ihnen eine andere Aufgabe übernommen, für den Fall, dass Lu einen GM-Anfall haben sollte. Das eine Kind holte eine Decke, ein anderes ein Kissen…noch ein anderes einen Lappen. So wurde jeder integriert, ob behindert oder nicht.

Einmal hatte Lu gerade zur Abholzeit einen GM-Anfall gehabt, als eine Mutter direkt in der Tür stand und genau sah, was dort gerade geschieht. Sie nahm ihre Tochter zur Seite, drehte den Kopf von uns weg und sagte ihrer Tochter, dass sie da nicht so hinschauen soll.

Die Tochter hatte allerdings bereits schon viele GM-Anfälle miterlebt und ihre Aufgabe. Sie machte sich von der Mutter los und sagte ihr direkt ins Gesicht, dass sie das schon kenne und jetzt helfen müsse.

Die Mutter stand wie erstarrt da…und ich bot ihr an, Fragen die sie hätte, zu beantworten, damit auch sie beim nächsten Mal entspannter damit umgehen könne. Innerlich freute ich mich sehr darüber, dass ihre Tochter gesagt hatte, was gerade passieren muss.

Wenn meine gesunden Kids einen Menschen im Rollstuhl sehen, dann fragen sie mich oft, warum das so ist. Ich schicke meine Kinder dann hin, um nachzufragen, ob sie fragen dürfen. Weil zu jeder Behinderung auch immer eine Geschichte gehört. Viele sind gerne bereit für Auskünfte und freuen sich sogar, gesehen zu werden…dass mal jemand nicht verschämt an ihnen vorbei schaut.

Allerdings gibt es auch eine Menge Menschen, die mit einer Behinderung leben und nicht offen damit umgehen. Ich finde das sehr bedauerlich, weil sie damit Vorurteilen Futter geben. So sollte vielleicht jeder einen Teil dazu beitragen, dass ein offenes Miteinander möglich ist.

Lieben Gruß,
Teufelchens Welt

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