Geschichten, die einem zwischendurch immer wieder mal einfallen… (2)

Hallo Ihr Lieben,

es gibt immer wieder Situationen im Leben eines Epileptikers, in denen jeglicher Schutz einfach nicht funktioniert. So auch bei diesen beiden Geschichten, die ich Euch heute erzählen möchte.

Lu war bestens gelaunt an diesem doch so schönen Tag. Wir, meine wirklich sehr liebe Schwiegermutter und ich, wollten mit Lu irgendwo hin (ich weiß tatsächlich nicht mehr wohin). Ich hatte alle Sachen (Jacke sowie Schuhe) bereit gestellt, um sie Lu anzuziehen. Als wir ihn dann zwischen uns stellten, drehten wir uns beide gleichzeitig von Lu weg. Die Eine, um die Schuhe aufzuheben und die Andere um die Jacke zu greifen. In diesem Moment fiel er ohne vorherige Zuckungen oder Drehungen einfach wie ein Baumstamm nach vorne um. Beide waren wir vollkommen erschrocken…beide hatten wir nicht, aber gar nicht, damit gerechnet, dass er an diesem doch eigentlich so schönen Tag einen Grand-mal-Anfall haben könnte. Und doch…da lag er nun und zuckte…auf den Kopf gefallen.

Wie durch ein Wunder ist nichts weiter passiert, außer eine kleine Beule für Lu und dass meine SchwieMu und ich einen kleinen Herzinfarkt davongetragen hatten. Wir waren Alle völlig damit durch, setzten uns erst einmal hin und gingen – an diesem jetzt nicht mehr so schönen Tag – überhaupt nirgends mehr hin.

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Ein anderes Mal – Lu war noch ziemlich klein – machte ich ihn für den Kindergarten fertig. Ich wusch ihn. Danach kletterte er auf seinen Hocker um sich selbst beim Zähne putzen zu beobachten. Ich putzte ihm die Zähne. Auf einmal ging alles extrem schnell. Er muss auf seinem Hocker ausgerutscht sein, schnellte nach vorne mit den Zähnen auf das Waschbecken, erschrak dadurch, bekam einen Grand-mal-Anfall und kippte dann nach hinten weg. Dabei ist er dann mit dem Hinterkopf aus der Höhe auf die Fliesen gefallen und zuckte weiter vor sich hin. Ich stand direkt daneben und konnte ihn in diesem rasend schnellen Tempo nicht einmal aufhalten, festhalten oder ihn in irgendeiner anderen Form schützen.

Der Schmerz darüber und die Unfähigkeit ihm nicht geholfen zu haben, haben mich fast irre gemacht. Ich hatte ein unendlich schlechtes Gewissen. Heulend rief ich meinen Mann an. Dieser kam sofort und war mir in dieser Situation eine große Stütze. Erst später habe ich begriffen, dass es einfach zu schnell ging, dass die Reaktionszeit dafür einfach zu kurz war. Das Ganze dauerte vielleicht 3-5 Sekunden. Als ich noch auf die Füße geschaut hatte, war er schon mit den Zähnen am Waschbecken und kurz darauf auf dem Boden…kaum vorstellbar. Er blieb an diesem Tag selbstredend zuhause…und ich auch…

Es gibt sie einfach – diese fiesen Situationen – in denen man sein Kind nicht schützen kann…auch wenn man direkt daneben steht. Beide Unfälle hatten keine Spätfolgen. Der Zahn, auf dem er gelandet war, wurde zwar erst dunkel; doch der, der später folgte, war wieder weiß. Und der Kopf von unserem Lu ist unheimlich fest und hart im Nehmen…manchmal glaube ich, dass Lu noch im Mutterlaib eine Bestellung für einen extra harten Kopf aufgegeben hat 😉…

Euch allen noch einen schönen und sonnigen Tag,

Euer Teufelchen